„UND MEIN LEBEN GEHT WEITER.“

CHRISTEL, 63 · BRUSTKREBS

GESTRAUCHELT  UND WIEDER TRITT GEFASST

Christel muss oft stark sein. Das ist für sie selbstverständlich. Ihre Familie, ihre Freunde, Christels ArbeitskollegInnen und Chefs kennen sie nicht anders. Niemand konnte ahnen, dass Christel ihre ganze Kraft einmal benötigen würde, um zu überleben. Als 60-Jährige erhält sie die Diagnose Brustkrebs. Über viele Monate lang kämpft sie sich durch die Therapie – von der Chemo über die Operation und Bestrahlungen bis zur Nachsorge. Sie behält die Oberhand.

ALLTAG IN DER ONKOLOGIE

Mehr als 25 Jahre arbeitet Christel schon in einer onkologischen Praxis als Arzthelferin als sie die Diagnose erhält. Von Berufs wegen kommt sie Krebserkrankungen sehr nahe. Manchmal fragt sie sich, ob es sie wohl auch einmal treffen wird. Wahrscheinlich sogar übertrieben häufig, meint sie. Ihr Respekt vor der Diagnose „Mammakarzinom“ ist groß. Vorsorgeuntersuchungen lässt sie niemals aus.

„ICH SPRING DA MAL EBEN REIN!“

An die Mammographie, die 2015 gemäß Zwei-Jahres-Rhythmus ansteht, geht sie so unaufgeregt wie sonst auch. „Ich spring da mal eben rein“, kündigt sie ihren Kolleginnen in der Arztpraxis an. Nur, dieses Mal geht es für Christel anders weiter, als sie es erwartet. Überraschend wird sie zu einer weiteren Untersuchung gebeten, die keinesfalls aufgeschoben werden dürfe. „Es muss noch was abgeklärt werden“, lautet die Begründung für eine anberaumte Biopsie.

STRAUCHELN

Vor allem die beiden auf die Krebsdiagnose folgenden Tage sind Christel noch sehr präsent. Sie erinnert sich: „Ich war wie gelähmt, fühlte mich wie in einem bösen Traum.“ Christels berufliches Wissen über Krebserkrankungen ist ihr nicht nur Hilfe, sondern zugleich Belastung. Denn einerseits zieht die Diagnose Brustkrebs ihr genauso „den Boden unter den Füßen weg“, wie jeder anderen Frau in einer solchen Situation. Andererseits möchte sie ihre Fragen und ihre Unsicherheit nicht offen in ihrem beruflichen Umfeld aussprechen, weil man sie dort als stark und sicher kennt.

„ICH HABE KREBS.“

Zwischen Diagnose und Beginn der Chemotherapie liegen nur 14 Tage. In diese Zeit fallen vornehmlich ärztliche Untersuchungen und Anrufe bei engen Freunden, die aus allen Wolken fallen. „Ich habe Krebs“, hören sie Christel am Telefon berichten. Christel empfindet es als Bedürfnis, ihren engen Freunden von ihrer Erkrankung zu erzählen und mit ihnen über die Diagnose zu sprechen. „Ja, die mussten herhalten, als es mir körperlich schlecht ging“, weiß Christel zu erzählen. Aus Fassungslosigkeit möchte sie keinesfalls Sprachlosigkeit werden lassen. Jedes klärende Gespräch wirkt entlastend auf sie.

Christel konzentriert sich während der Therapien auch auf den Erhalt von Lebensqualität. Ihr Vorsatz lautet: „Ich denke im Alltag ganz wenig über meine Krankheit nach – die schönen Dinge stehen im Vordergrund.“ Ihre zweieinhalb Jahrzehnte Berufserfahrung helfen dabei, das umzusetzen. Weil ihr bösartiger Tumor früh genug erkannt wurde, hat sie gute Heilungschancen. Christel weiß, dass sie die Chance hat und will sie ergreifen.

FRAGEN BEANTWORTET DIE APOTHEKE

Sie verzichtet bewusst darauf, noch mehr über Krebs-Diagnosen, Behandlungsmöglichkeiten, Operationen, Nebenwirkungen und Erfolgschancen zu lesen. Alles, was sie noch wissen möchte, formuliert sie in konkreten Fragen. „Welche große Geduld meine Apothekerin mir entgegengebracht hat, werde ich nie vergessen“, sagt Christel. „Keine Frage ist dumm oder überflüssig, sie muss nur mit Fachwissen und Respekt beantwortet werden.“

Ihre Apotheke ist spezialisiert auf die ambulante onkologische Versorgung. Durch die pharmazeutische Betreuung von Krebspatienten trägt sie dazu bei, den Therapieverlauf zu stabilisieren und die Lebensqualität der Patienten zu verbessern. Wohnortnähe sowie eine enge Zusammenarbeit mit Ärzten und Pflegekräften sind hierbei von großer Bedeutung. Christel nutzt diese Kompetenz. Sie weiß: Besonders wichtig sind vorbeugende und begleitende Maßnahmen, die die Nebenwirkungen der zytostatischen Therapie zumindest abmildern.

STÄRKE ZEIGEN

Den Gedanken, von einem schnell wuchernden Krebs befallen zu sein, will Christel möglichst wenig an sich heranlassen. „Ich habe während der Therapien ständig versucht, Normalität in meinem Alltag zu halten“, erinnert sie sich. „Allerdings ist mir das sehr schwer gefallen.“

Der Gedanke, die Haare durch die Behandlung zu verlieren, schockiert sie. Als die ersten Haarbüschel morgens im Badezimmer ins Waschbecken fallen, lässt sie sich ihren Kopf rasieren. „Bevor mir alle Haare ausfallen, wollte ich es selbst tun“, sagt sie.

Mit dem Abstand von heute sagt sie, dass es ihr „dennoch psychisch eigentlich nie richtig schlecht gegangen“ sei. „Ich wusste für mich, dass ich zwar ins Loch gefallen bin, dass es da aber auch wieder raus geht.“

IMMER IN BEWEGUNG BLEIBEN

Christel lässt sich nicht hängen. „Ich bin jeden Tag schnellen Schrittes gegangen,“ sagt sie und meint es wörtlich. Trotz ihrer schweren Erkrankung geht sie Walken. Zwischen drei und fünf Kilometer absolviert Christel von nun an in herausforderndem Tempo, drei bis vier Mal jede Woche.

NACH VORNE BLICKEN

Sechs Monate lang wird sie mit Chemotherapien behandelt. Dann folgt bis September 2016 die Strahlentherapie. Christel beginnt, ganz genau in sich hinein zu hören. Sie notiert jeden Tag, wie es ihr geht. Ihrem Tagebuch vertraut sie an, wie sie ihre körperliche und psychische Entwicklung empfindet.

Der letzte Eintrag ist datiert aus der dreiwöchigen Reha, die Christel auf einer Nordseeinsel absolviert. Strand, Meer, Kräfteaufbau, Sport und Gedächtnistraining tun ihr gut. Noch bevor ihre Heilbehandlung endet, schließt sie ihr Krankheitstagebuch. Christel hat ihr größtes Ziel erreicht: „Ich gehe durch den Tag und denke nicht mehr an meine Krankheit.“

BRUSTKREBS: GUTE PROGNOSEN FÜR PATIENTINNEN

Das „Mammakarzinom“ ist die häufigste Krebserkrankung bei Frauen. Fast jede zehnte Frau erkrankt mindestens einmal in ihrem Leben an Brustkrebs. Insgesamt knapp 70.000 Erstdiagnosen gibt es jedes Jahr in Deutschland. Die meisten Patientinnen haben eine gute Prognose: Inzwischen leben fünf Jahre nach der Diagnose noch knapp 90 Prozent der erkrankten Frauen.

Spezialisierte Apotheken mit onkologischer Beratungskompetenz

Spezialisierte Apotheken in der ambulanten onkologischen Versorgung beraten Patienten nicht nur in einer speziellen Therapiephase – sondern zu allen aufkommenden Fragen vom Therapiebeginn bis zur Nachsorge. Eine solche Komplettversorgung, bei der von der Herstellung der Chemotherapeutika über das Nebenwirkungsmanagement bis zur Unterstützung bei Patientenfragen alles aus einer Hand kommt. Das verbessert nicht nur die Arzneimitteltherapiesicherheit, sondern auch das allgemeine Befinden von Krebspatienten. Die Beratung kann helfen, Ängste abzubauen und die Selbstbestimmung und Lebensqualität von Krebspatienten zu fördern. Sie erfolgt wohnortnah immer in Abstimmung mit den behandelnden Ärzten und dem onkologischen Pflegeteam und basiert auf anerkannten Qualitätsstandards und wissenschaftlichen Leitlinien.