Bessere Bedingungen
für junge Apotheker

Alarmierend: In Deutschland gibt es vor Ort immer weniger öffentliche Apotheken. Mit 19.000 Präsenzapotheken in den annähernd 12.350 Städten und Gemeinden ist der tiefste Stand seit 30 Jahren erreicht. Patientinnen und Patienten, von jungen Eltern über Senioren bis hin zu chronisch Kranken, drohen weitere Wege, um fachkundige Beratung zu Arzneimitteln von Mensch zu Mensch zu bekommen. Der Grund dafür: Die Zahl junger Pharmazeuten, die heute noch eine Perspektive für eine Existenz als Selbstständige sehen, nimmt ab. Demgegenüber nähern sich mehr und mehr Apotheker dem Rentenalter – und finden oft keine Nachfolger, weil die meisten Jung-Apotheker ein Angestelltenverhältnis oder eine gutdotierte Anstellung in der Industrie vorziehen

 

160.000

Dass solch eine Entwicklung die Verantwortlichen in Landkreisen, Städten und Gemeinden auf den Plan ruft, kommt nicht von ungefähr. Apotheken vor Ort sind wichtiger Standortfaktor, tragen zur Belebung von Stadtvierteln bei und geben Dörfern Zukunftsperspektiven. Die öffentlichen Apotheken stellen vor Ort auch einen Wirtschaftsfaktor dar. Sie bieten knapp 160.000 regionale Arbeitsplätze – darunter viele familienfreundliche Teilzeitstellen. Nacht- und Notdienste sowie individuell hergestellte Rezepturen gäbe es ohne öffentliche Apotheke am Ort nicht mehr. Leidtragende wären vor allem Senioren mit eingeschränkter Mobilität, chronisch Kranke, die auf intensive pharmazeutische Betreuung angewiesen sind, und junge Familien, die auch nachts schnell Hilfe für die Kinder brauchen.

Was ist es, was die Perspektiven für junge Apotheker schwierig macht? Die Honorarentwicklung bleibt hinter der allgemeinen wirtschaftlichen Entwicklung zurück. Gesetzliche Vorgaben sowie der extrem gestiegene bürokratische Aufwand haben den Kostendruck auf die lokalen Apotheken erhöht.

Der Apothekerberuf und der Betrieb einer Apotheke müssen für junge Leute wieder attraktiver werden. Junge Pharmazeuten müssen wieder Vertrauen in die Zukunft gewinnen.
Dazu bedarf es verlässlicher Rahmenbedingungen, innerhalb derer aktuelle und zukünftige Herausforderungen für Apotheker und Patienten optimal gelöst werden könnten.

Ein wichtiger Schritt ist die Verabschiedung des Gesetzes zur Stärkung der Vor-Ort-Apotheken im Oktober 2020. Damit hat der Bundestag die bundesweite Preisbindung bei rezeptpflichtigen Medikamenten für gesetzlich krankenversicherte Patienten langfristig gesichert. Für den Patienten bedeutet dies, dass alle Apotheken – egal ob Versand- oder Vor-Ort-Apotheke – wieder in einem faireren Wettbewerb stehen und verschreibungspflichtige Medikamente für den gleichen Preis abgegeben werden müssen.

Für junge Pharmazeuten besonders wichtig: Gerade mit Blick auf eine herausfordernde pharmazeutische Perspektive und eine betriebswirtschaftlich angemessene Vergütung ist auch die Einführung neuer pharmazeutischer Dienstleistungen für gesetzlich krankenversicherte Patienten besonders relevant. Das könnte beispielsweise die Medikationsanalyse sein, die die Arzneimitteltherapie von Patienten noch sicherer macht.

„Mit dem Apothekenstärkungsgesetz bekommen die Apotheken einen klareren ordnungspolitischen Rahmen und können wieder mit mehr Zuversicht nach vorne schauen“, heißt es von der ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände: „Angesichts rückläufiger Apothekenzahlen brauchen gerade junge Apotheker eine Perspektive, wie sie ihre Patienten in zehn oder zwanzig Jahren versorgen können. Dazu trägt das Gesetz bei.“