„UND PLÖTZLICH WAR ICH ANGEZÄHLT.“

WOLFGANG, 59  ·  DIABETES TYP 2

ZUCKERKRANKHEIT IM GRIFF – MIT GESUNDER EINSTELLUNG

Job, Kunden, Termine, Stress … Nahezu 30 Jahre lang prägen sie Wolfgangs Alltag. Unvermeidlich sei das, behauptet Wolfgang während dieser Zeit. Er hat seine beruflichen Ziele im Blick und ist auf Erfolg getrimmt. Mehr Bewegung als den Gang von der Haustür bis zum Auto hat er nicht. Die besorgten Einwände seiner Ehefrau Heike lächelt er charmant weg.

DER JOB AN ERSTER STELLE

Die Karriere steht bei Wolfgang, der zu komplexen Finanzprodukten berät, an vorderster Stelle. Gerne langt der Investmentbanker bei Geschäftsessen, wenn er quer durch Deutschland unterwegs ist, ordentlich zu. Und nicht überraschend nimmt er ordentlich zu. Er ist Berufspendler mit langem Anfahrtsweg. 30 Autominuten plus anderthalb Zugstunden liegen zwischen Wohnhaus im Taunus und Büro in Süddeutschland. Spät abends zuhause angekommen, isst er nochmals warm und immer den Teller leer. Warnsignale seines Körpers schiebt der Endfünfziger auf das steigende Lebensalter. „So ist das Älterwerden“, glaubt er. An Diabetes mellitus Typ 2, „Altersdiabetes“, wie der Volksmund die Krankheit nennt, denkt er zu diesem Zeitpunkt noch nicht.

„SIE SEHEN GAR NICHT GUT AUS“

Erst an dem Tag, als seine Stammapothekerin am Heimatort ihn dezent aufhält, während er schon wieder hektisch durch die gläserne Automatiktür der Apotheke nach draußen eilen will, ändert sich das. Gar nicht gesund sehe er aus, sagt sie mit besorgtem Blick. „Lassen Sie uns doch mal schnell einen Test machen“, bittet ihn Apothekerin Claudia Bachmann. „Ein Blutzuckercheck dauert nicht lange“, fügt sie hinzu, wohlwissend, dass dieser Kunde es immer eilig hat.

ALARMSIGNALE

Im Rückblick gibt Wolfgang zu, dass er Beschwerden hatte, die er nicht wahrhaben wollte. Heute weiß er, dass es Symptome der Diabetes-Erkrankung waren. Im Herbst 2016 brachte Wolfgang 112 Kilogramm auf die Waage, annähernd 30 mehr als heute. Während eines Kanada-Urlaubs gingen ihm Puste und Ausreden aus. „Ich will mir nur kurz die Gegend anschauen“, flunkert er Heike an, als er sich nach nur 200 Metern Spaziergang am Wegesrand auf eine Mauer setzen muss. „Ich spürte große Schmerzen in den Beinen, bis in die Füße hinein“, gibt er später zu. „Keinesfalls wollte ich uns ausgerechnet im Urlaub beunruhigen.“ Selbst, als ein Taubheitsgefühl im linken Fuß aufkommt, ignoriert er das Warnsignal. „Irgendwas verdreht“, begründet er gegenüber seiner Frau, dass er plötzlich beim Gehen hinkt.

SCHMERZEN

„Es war der traurige Höhepunkt eines Leidensprozesses, der sich über mehrere Jahre hingezogen hat“, erklärt Wolfgang. Nachts schafft er es meist nur drei, vier Stunden Schlaf. „Niemals hätte ich gedacht, dass ich so starke Schmerzen haben könnte“, erzählt er in der Rückschau.

RETTUNG IN LETZTER SEKUNDE

Fast ein halbes Jahr vergeht aber noch, bis Wolfgang dank seiner Apothekerin Klarheit über den Grund seiner Beschwerden bekommt. Der Schnelltest, von dem sie ihren Stammkunden überzeugen kann, ermittelt einen Blutzuckerwert von 498 mg/dl (26,7 mmol/ml). Bereits ab einem Wert von 400 mg/dl sehen Ärzte akute Lebensgefahr. Wolfgang ist stark überzuckert. Ihm drohen Bewusstlosigkeit und Koma. Aus der Apotheke geht es sofort zum Arzt, der einen Diabetes Typ 2 diagnostiziert.

Wolfgang, der einst ein Psychologie-Studium absolvierte, kennt sich mit menschlichem Fühlen und Denken gut aus. Dennoch: Das, was nach der Diagnose in ihm selbst vorgeht, treibt den erfahrenen Manager zunächst gehörig um. „Das Untersuchungsergebnis war schockierend für mich“, betont er.

EIN NEUES LEBEN FÜR WOLFGANG

Gut ein Jahr nach der Diagnose hat sich Wolfgang mit seiner Erkrankung vertraut gemacht. Was sich seitdem getan hat, bezeichnet er als „meine zweite Chance“. Manchmal spricht er sogar von „meinem neuen Leben, das ich meiner Apotheke verdanke“. Die größte Veränderung seit der Diagnose ist für ihn „meine Einstellung“.

In mehreren Gesprächen bringt ihm Claudia Bachmann den Umgang mit der Zuckerkrankheit näher. Sie berät ihn auch zu den Tabletten, durch die er seine Werte in einen vernünftigen Bereich bringen kann. Insulin muss er recht schnell nicht mehr spritzen. Dreimal in der Woche misst er seine Blutzuckerwerte, jeweils zu unterschiedlichen Tageszeiten. Seine Frau Heike besorgt Bücher über Diabetes mellitus Typ 2 und befasst sich mit der Krankheit, um ihren Wolfgang zu unterstützen.

BEWUSST GENIESSEN

Auch deshalb hat Wolfgang schnell gelernt, mit der Zuckerkrankheit zu leben. „Mit wieder gewonnener Lebensqualität“, wie er betont. Er zügelt seinen Appetit und stellt seine Ernährung um. „Ich weiß heute auch, dass Sport enorm wichtig ist“, sagt er. Auf gesunde 85 Kilogramm reduziert er sein Körpergewicht. Er bleibt konsequent auf seinem neuen Lebensweg. Auf dem Teller genügt ihm heute die kleine Portion. „Der Genuss leidet nicht darunter, ganz im Gegenteil“, lautet seine neue Erfahrung.

GESUNDES LEBEN DURCH SPORT

Regelmäßig trainiert er im Sportstudio Kraft und Ausdauer. Dass er vor gar nicht allzu langer Zeit immer dann nach Ausreden suchte, wenn seine Frau mit ihm vor die Tür wollte, darüber muss er heute schmunzeln. Oft genug ist er es heute, der gemeinsame Unternehmungen vorantreibt.

HEITER IN DIE ZUKUNFT

Spaziergänge und Ausflüge mit dem Motorrad gehören für das Paar dazu. Es macht ihnen große Freude, mit ihrer Maschine unterwegs zu sein, Sonne und Landschaft zu genießen. Ein wenig stehen diese Fahrten stellvertretend für Wolfgangs neue Haltung zum Leben: Bewusst und heiter in Richtung Zukunft unterwegs zu sein.